



Mannheim, 16. Oktober 2008
Die aktuelle Studie der Commerzbank-Initiative UnternehmerPerspektiven belegt: Mehr als die Hälfte der Mittelständler in Deutschland meint, dass externe Bewerber nicht über ausreichend unternehmerische Tugenden verfügen, um die Verantwortung an der Firmenspitze zu übernehmen.
Für 44 Prozent der Unternehmen in Baden-Württemberg steht in den kommenden zehn Jahren ein Wechsel an der Führungsspitze an. Dass dieser auch die Kultur und den Charakter des Unternehmens verändert, davon gehen 68 Prozent der familiengeführten und 65 Prozent der managementgeführten Unternehmen in Deutschland aus. Dies sind die Kernergebnisse der sechsten Studie der UnternehmerPerspektiven, der Mittelstandsinitiative des Zentralen Geschäftsfelds Corporate Banking der Commerzbank, mit dem Titel „Wirtschaft im Wertewandel – Unternehmertum und Verantwortung im Mittelstand“.
„Die Schwierigkeiten, mit denen sich die Unternehmen auf der Suche nach potenziellen Nachfolgern konfrontiert sehen, müssen wir ernst nehmen“, erläutert Ilse Maria Arnst, Gebietsfilialleiterin der Commerzbank in Mannheim. „Allein 54 Prozent der befragten Mittelständler haben die Erfahrung machen müssen, dass geeignete Nachwuchskräfte größere Unternehmen bevorzugen. 63 Prozent der Unternehmer sind der Meinung, dass externe Bewerber nicht über die notwendigen unternehmerischen Tugenden verfügen.“ Zudem, gaben 42 Prozent an, wollten Familienmitglieder häufig nicht in die unternehmerische Verantwortung gehen. Sind dann externe Bewerber ganz konkret für die Unternehmensnachfolge im Gespräch, genügen sie aber nicht immer den mittelständischen Anforderungen.
Mittelstand betont Verlässlichkeit, Weitsicht und Fairness
Die von TNS Infratest durchgeführte Befragung der über 4.000 mittelständischen Unternehmer und Geschäftsführer ging im Folgenden der Frage nach, welches diese notwendigen unternehmerischen Tugenden sind und welche Wertvorstellungen mittelständisches Unternehmertum prägen. An der Spitze der Werteskala stehen Leistungsbereitschaft und fachliche Kompetenz. Daneben erachten die Befragten Verlässlichkeit, Weitsicht und Fairness als besonders wichtig für die Unternehmerpersönlichkeit, sehen aber in den eigenen Reihen gerade bei diesen drei Tugenden durchaus Defizite.
Die Umfrage ergab weiter, dass die Einordnung von unternehmerischen Tugenden und Werten eine Frage des Alters ist. Jüngere Unternehmer unter 45 Jahren messen allen Werten insgesamt eine etwas geringere Bedeutung bei als ihre über 60-jährigen Kollegen. In der Reihenfolge der Werteskala sind sie sich jedoch einig.
Das Wertesystem der über 60-jährigen Firmenlenker ist stärker von Tradition, Religion und christlichen Grundwerten geprägt. Die Unternehmer der jüngeren Generation legen hingegen mehr Wert darauf, die Reputation der eigenen Firma zu steigern und Glaubwürdigkeit durch eigenes Handeln zu erreichen als dies die ältere Generation tut.
Unternehmertum stärken durch Erziehung und Bildung
„Der Wohlstand unseres Landes beruht in erheblichem Maße auf dem Engagement der Unternehmerinnen und Unternehmer. Wertorientiertes und verantwortungsvolles unternehmerisches Denken und Handeln ist gerade entscheidend“, stellt Bischof Dr. Wolfgang Huber, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und Schirmherr der Studie fest. „Denn zum Kapital unternehmerischen Handelns gehört das Vertrauen der Menschen. Gerade im Blick auf künftige Unternehmergenerationen ist deshalb nicht nur fachliche Exzellenz, sondern ebenso ein klares Ethos unternehmerischer Verantwortung vonnöten.“
Unternehmergeist wird einem nicht in die Wiege gelegt, lautet die allgemeine Überzeugung. Daher müssten Werte schon in der Erziehung eine größere Rolle spielen, um unternehmerische Tugenden stärker als bisher in der Gesellschaft zu verankern, sind sich 95 Prozent der befragten Unternehmer in Baden-Württemberg einig. Fast ebenso viele, nämlich 92 Prozent, fordern die Vermittlung von Wirtschaftswissen und unternehmerischen Fähigkeiten an Schulen und Universitäten ein. Auch wollen mehr als drei Viertel der Unternehmen die Medien stärker für sich nutzen, um mit eigener Überzeugungsarbeit das Vertrauen in den deutschen Mittelstand und die Wirtschaft insgesamt zu stärken.
Die Initiative UnternehmerPerspektiven und die Studien
UnternehmerPerspektiven ist eine Initiative der Commerzbank. Ihr Ziel ist es, einen Raum für Themen zu schaffen, die Unternehmen aktuell bewegen. Grundlage sind repräsentative Umfragen bei 4.000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Die Studienergebnisse werden mit Wirtschaft, Verbänden, Politik und Wissenschaft diskutiert, um Verständnis füreinander zu schaffen und tragfähige Lösungsansätze für die Herausforderungen des Mittelstands zu entwickeln.
Die vollständige Studie sowie weitere Einzelheiten zur Initiative finden Sie unter www.unternehmerperspektiven.de