



Die Unternehmensnachfolge wird von Mittelständlern häufig ausgeblendet. Ein Risikofaktor für den Fortbestand vieler Firmen.
„Für viele ist die größte Schwierigkeit, es zuzulassen“, sagt Peter Hauck. „Damit hatte ich jedoch nie Probleme. Ich weiß, dass es meine Söhne gut machen werden.“ Die Planung einer Unternehmensnachfolge hat letztlich viel mit dem eigenen Lebensentwurf zu tun. Es geht ums Loslassen. Vor zwei Wochen hat Peter Hauck seinen 65. Geburtstag gefeiert. Bereits seit Anfang des Jahres ist er nicht mehr der Geschäftsführer der in Ketsch tätigen Unternehmensgruppe, einem eingesessenen mittelständischen Dienstleister für die professionelle Reinigung von Gebäuden, Baustellen, Fassaden und sensiblen Sonderobjekten, maßgeschneiderten Produktleistungen im Hygienesektor. „Und jetzt haben meine Söhne hier das Sagen“, stellt Hauck klar. Er klingt ausgesprochen zufrieden, während er das sagt.
Das ist nicht unbedingt selbstverständlich. Nach einer neuen Studie der Deutschen Bank ist die Unternehmensnachfolge derzeit bei rund einem Drittel der Unternehmen in Deutschland nicht geregelt. In Zahlen bedeutet das: Mehr als eine Million Unternehmen haben sich noch nicht um eine strategische Zukunft bemüht, die über den Wirkungszeitraum des derzeitigen Chefs hinausgeht. Laut Studie wird die Nachfolge bei etwa 200.000 Unternehmen bereits innerhalb der nächsten 10 Jahre prekär.
„Viele Unternehmenschefs machen sich gar keine Vorstellung, wie viel Zeit es in Anspruch nimmt, einen Betrieb geordnet und erfolgreich zu übergeben“, sagt Peter Bertling, der Leiter des Firmenkundengeschäfts der Deutschen Bank in Mannheim. Es sei allein schon eine große Herausforderung, den geeigneten Kandidaten zu finden. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen in der Studie ist sich dieser Problematik im Grunde auch bewusst. Trotzdem handeln viele nicht rechtzeitig. „Und wenn man ihn endlich gefunden hat, dann sollte man mindestens fünf weitere Jahre rechnen, um den Nachfolger optimal auf seine Rolle vorzubereiten“, kalkuliert Bertling obenauf. Wer das Thema vor sich herschiebe, riskiere deshalb letztlich, dass sein Lebenswerk in unnötige Gefahr gerate.
Die bundesweite Befragung der Mittelständler ergab aber, dass, egal, ob klein oder groß, genau das ganz oben auf der Wunschliste der Firmenchefs steht: Das Unternehmen zu erhalten, Planungssicherheit zu haben, eine Kontinuität der Unternehmenskultur zu sichern. „Doch wer das erfolgreich umsetzen will, muss früh genug damit anfangen. Es ist eine Herkulesaufgabe“, mahnt Bertling.
Peter Hauck beispielsweise nahm sich 14 Jahre Zeit, gerechnet von der Absichtserklärung seiner Söhne, Verantwortung für die Unternehmensgruppe zu übernehmen, bis zum letzten Übergabeschritt. In wöchentlichen Familien-Meetings entstanden nach und nach Ideen und Strukturen, die es möglich machten, aus der Einzelkämpferorganisation des Vaters einen straffen Apparat mit konzeptionellen Zuständigkeitsbereichen zu formen, eine geordnete Übergabe möglich machten. Über viele Jahre gab der Senior die Details und Hintergründe seines Wirkens an die Junior-Chefs weiter.
Im ersten Schritt überließ er den beiden Söhnen Peter und Daniel eine kleinere Unternehmenssparte, die ausgegliedert und zu einer eigenen GmbH umfunktioniert wurde. 2care, ein Komplettanbieter für Hygiene-, Spendersysteme und Schmutzfangmatten, war geboren. Und das Geschäft lief. „Das war gewissermaßen unsere Spielwiese“, sagt Daniel Hauck. Man merke allerdings schnell, dass es eben kein Spiel sei: „Nämlich, wenn man zum Beispiel seine erste Bilanz unterschreibt.“ Inzwischen ist der 33-Jährige der kaufmännische Geschäftsführer der gesamten Hauck-Gruppe. Sein Bruder Peter bildet das technische Pendant.
Mit den neuen Geschäftsführern kamen auch neue Wirtschafts- und Steuerberater, neue Anwälte – ein kompletter Generationenwechsel. „Das ist wichtig“, sagt Peter Hauck senior, „meine Söhne brauchen eine neue Mannschaft, die ihre Sprache spricht, nicht meine.“
Der Senior Peter Hauck hat außerdem keine Probleme mit dem Selbstwertgefühl: „Ich bin für das Unternehmen heute genauso wichtig, wie als Chef“, sagt er. Denn nun habe er die nötige Zeit, sich intensiv der Netzwerkpflege zu widmen. Dies, sagt Hauck, sei gerade in Krisenzeiten eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gesunde Auftragslage.
Bericht von Jochen Schönmann
HAUCK GRUPPE
Doris Emmerich
Mitglied der Geschäftsleitung
Mecklenburger Str. 1
68775 Ketsch
Telefon: 06202 6955-0