



Die derzeitige Diskussion über web 2.0 ist geprägt von Skepsis und Zögerlichkeit. Statt im Kleinen schnell und konkret zu handeln, wird im Großen viel überlegt und wenig entschieden. Diese Situation kann damit erklärt werden, dass für neue Technologien ein Verständnis wachsen muss und die Veränderungen naturgemäß Zeit für Umsetzung und Durchsetzung benötigen. Die Antwort auf die Frage wie es pragmatisch und schnell gehen kann, steckt bereits im Konzept des Web 2.0 selbst: Der Weg geht von unten nach oben und nicht umgekehrt. An vielen Stellen „etwas Unternehmen“ macht schließlich das Gesamte aus.
Das Potential steckt in der Verbesserung der unzulänglichen Büroautomatisierung. Während beispielsweise die Fertigung und Logistik bereits mehrere Optimierungszyklen hinter sich haben, gibt es in der Planung, Entwicklung oder Verwaltung noch unglaubliches Informationsdurcheinander. Mitarbeiter wissen nicht woran die Kollegen in der Filiale arbeiten, Gründe für Entscheidungen lassen sich nicht nachvollziehen, Revisionsstände von Präsentationen sind unklar … im Zweifel druckt man es halt noch einmal aus oder schickt die nächste e-mail. Verbesserungsziele sind also alle Geschäftsprozesse, die mit Informationen oder deren Dokumentation handeln. Diese können einzeln und nacheinander angegangen werden.
Die Technologien des web 2.0 eröffnen viele Einsatzmöglichkeiten, wenige davon kann man derzeit als pragmatische Werkzeuge für den Arbeitsalltag bezeichnen. Welches Unternehmen benötigt schon Plattformen für den Austausch von Videoclips? Bei näherer Betrachtung entdeckt man jedoch ein Element mit nennenswertem Potential: Wikis. Bekannt durch das online-Lexikon Wikipedia entstanden aus mehr oder weniger privater Initiative sinnvolle Anwendungen, beispielsweise eine Reparaturanleitung (http://audi100.selbst-doku.de). Hier wurde eine Informationslücke identifiziert und von einer kleinen Gruppe interessierter Fachleute geschlossen. Viele solcher Ideen und Initiativen gibt es auch in den Unternehmen. Sie können punktuell gefördert werden, ohne das ganz große Rad zu drehen.
Jeder Mitarbeiter leistet bewusst oder unbewusst einen Teil zum Wissensmanagement. Die Personalleiterin kauft Wissen in Form von Spezialisten ein, der Produktionsleiter optimiert seine Lagerhaltung, die Projektmitarbeiter verbessern die Vertragsgestaltung mit Unterlieferanten. Dabei hat jeder seinen typischen Arbeitsprozess. Diesen gilt es mit einem anwendergerechten Werkzeug zu unterstützen und ein Wiki ist dazu prinzipiell geeignet. Wenn es zudem Sonderfunktionen besitzt, die exakt auf die Abläufe zugeschnitten sind, wird bei gleichem Aufwand ein Mehrwert geschaffen.
Jede einzelne Verbesserung ergibt also einen Nutzen. Die jeweiligen Ziele sind beschreibbar und überschaubar. Die Umsetzung erfolgt vor Ort, schnell und anwendergerecht, es entsteht eine Gesamtverbesserung von unten nach oben. Voraussetzungen aus Sicht der Unternehmensleitung sind lediglich etwas Mut zur Lücke, das Vertrauen auf die Dynamik der Mitarbeiter an sich und die Bereitschaft, einen gewissen Freiraum zu öffnen.
Es ist somit möglich, das Paradoxon zwischen dem Potential der neuen Web-Technologien und der zögerlichen Nutzung in Geschäftsprozessen aufzulösen. Der Unternehmer sollte auf Team-Ebene beginnen, seinen Mitarbeitern ein neues Werkzeug an die Hand geben und die innewohnende Dynamik nutzen. Die positiven psychologischen Effekte sind dabei nicht zu unterschätzen. Mitarbeiter, die aktiv daran beteiligt werden, ihre Arbeitsprozesse zu beschreiben und anwendergerecht zu gestalten, sind motivierter und kreativer als wenn „von oben“ etwas Neues kommt. Jede einzelne Maßnahme wird dem Unternehmen nutzen. Durch die intensive Beteiligung der Betroffenen ergibt sich der Gesamterfolg. Nennen Sie es dann berechtigterweise „enterprise 2.0“.