



Am Sonntag, dem 7. Dezember 2008 wird der Chor an Sankt Ludwig in Ludwigshafen-Mitte im Rahmen seines traditionellen Adventskonzertes eine besondere Rarität der böhmischen Barockmusik aufführen. Im Mittelpunkt der „Geistlichen Musiken“ steht die „Messe zu Ehren des Heiligen Wenzels“ (Missa Sancti Wenceslai) von Adam Vaclav Michna z Otradovic (1600-1676). Diese Messe wurde vermutlich 1661 zur Einweihung des neu renovierten Sankt Wenzel Doms in Olomouc (Olmütz) uraufgeführt. In Deutschland ist dieses Kleinod der tschechischen Barockmusik völlig unbekannt. Die Aufführung kann daher als eine Erstaufführung im Süddeutschen Raum seit der Entstehung der Messe angesehen werden. Die Musik stellt sich als eine Mischung aus venezianischer Barockmusik und tschechischer Volksmelodik dar. Besonders die Besetzung mit zwei Clarinen (Trompeten) lässt sie zu einem festlichen Klangerlebnis werden. Die Messe ist für einen sechsstimmigen Chor mit sechs Solisten und Barockorchester komponiert und beinhaltet die fünf Ordinarien, die heute noch Bestandteil der katholischen Messe sind.
Adam Michna entstammt dem Böhmischen Landadel. Schon sein Vater Micha Michna z Otradovic, Burggraf zu Neuhaus in Böhmen, war musikalisch tätig und bekannt. In Tschechien wird Adam Michna heute dem bekannteren Barockkomponisten Heinrich Schütz gleichgestellt. Der Chor wird mit dessen großem Magnificat (SWV 468) das Konzert eröffnen.
Neben dem Chor an Sankt Ludwig sind die ausführenden Solisten Annette Schneider-Wagner und Eva Matthias-Decker (Sopran), Nicole Vollweiler (Alt), Michael Wagner und Jürgen Petermann (Tenor) sowie Emmerich Pilz (Bass). Begleitet werden Chor und Solisten von der Camerata Sankt Ludwig. Die Leitung hat Alfred Hirsch, der mit dieser Aufführung auch sein 40-jähriges Jubiläum als Kirchenmusiker feiert. Zwanzig Jahre davon leitet er den Chor an Sankt Ludwig.
Alfred Hirsch, nach seinem Musikstudium zunächst in Neustadt/Weinstraße tätig, hat in seiner langen Tätigkeit immer wieder unbekannte Werke der Kirchenmusik „ausgegraben“ und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dem Vergessen entriss er 1972 die Missa Octo Vocum von Hans Leo Hassler, 1976 die Markus Passion von Reinhard Keiser, 1978 die D-Dur-Messe von Antonin Dvorak, 1980 das Jüngste Gericht von Dietrich Buxtehude, 1984 die Christnacht von Johann Haas, 1985 die Hirten-Messe von Jan Ryba und jetzt die Wenzel-Messe von Adam Michna.
Alle Werke gehören heute in der Region wieder zum allgemeinen Kirchenmusik-Repertoire. Alfred Hirsch hofft, dass die Wenzel-Messe von Adam Michna, die am zweiten Adventssonntag um 18.00 Uhr in der Kirche Sankt Ludwig wieder aufgeführt wird, demnächst ebenfalls ein fester Bestandteil der Kirchenmusik sein wird. Eintrittskarten zu dem Konzert sind für 10 Euro an der Abendkasse erhältlich.
Ergänzung zum Komponisten aus „Wikipedia“
Adam Václav Michna z Otradovic (* um 1600 in Neuhaus; † 2. November 1676 ebenda) war ein tschechischer Dichter, Organist und Komponist.
Er studierte am Jesuitengymnasium seiner Heimatstadt, wo er neben seiner Tätigkeit als Organist eine Gastwirtschaft betrieb. Michna gilt als erster Vertreter eines eigenständigen tschechischen Stils in der Barockmusik. Mit seiner genialen und vielseitigen schöpferischen Tätigkeit entspricht Michna in seiner geschichtlichen Erscheinung für die tschechische Musikgeschichte etwa der von Heinrich Schütz für die deutsche Musikgeschichte.
Michna gab zwei Gesangsbücher heraus: Česká mariánská muzika und Svatoročnì muzika, die vier- bis fünfstimmige Lieder in homophonem Satz enthalten. Eine weitere Sammlung Loutna česká ist nur in Bruchstücken erhalten. Außerdem schrieb er fünf Messen, zwei Litaneien und ein Tedeum („Sacre et Litaniae“, Prag 1654). Weiterhin sind handschriftlich ein Magnificat und die Missa Sancti Venceslai überliefert. In dieser wechseln streng polyphone Teile alten Stils wie das Kyrie und das Agnus Dei mit homophonen Teilen und konzertanten Solopartien (im Gloria und Credo) ab.